
Wie im Film
„Also, Kim, ich wollte mir schon immer einmal 'Die 3 Musketiere' anschauen.“
Ich schielte zu Amanda rüber und gab ein genervtes Seufzen von mir.
„Ach, ne. Ich will lieber etwas Romantisches gucken, wie zum Beispiel…“
Mein Blick huschte über die Tafel mit den Kinoplakaten und erstarrte, als es das Gesicht von Patrick Swayze und Jennifer Grey sah. Ja,… Den muss ich mir anschauen…
Amanda hatte wie immer meine Gedanken erraten und verzog eine Grimasse.
„Nein, auf keinen Fall! Nur weil du gerade deinen Traumboy gefunden hast, muss ich mir nicht jeden Kitsch antun. Nicht mit mir!“, beschwerte sich meine Freundin und trat verärgert auf den Boden.
Mhm, wie kriege ich sie noch rum? … Ah! Natürlich…
Ganz schnell ergriff ich ihre Taille und begann wie wild darauf los zu kitzeln.
Typisch Amanda. Sie gab schneller auf als gedacht.
„Okay, okay, okay. Hihihi. Aber ich geh nur wegen dir in 'Dirty Dancing'. Nicht wegen deinem Freund David und auch nicht, weil du auf die letzte Schularbeit’ ne Vier geschrieben hast. Ich bin nur bereit dazu, wenn du das Popcorn bezahlst.“
Sie richtete sich ihr zerzaustes Haar wieder zu recht und hielt mir grinsend eine Hand mit pink lackierten Nägeln hin. „Ist gebongt“, sagte ich und klatschte zufrieden ein. Gesagt, getan.
Mit Popcorn, Gummibärchen und Cola machten wir uns beide auf den Weg zu
Saal 5. Im Saal war es schon stockdunkel und man konnte nicht mal seine eigenen Hände vorm Gesicht erkennen.
Als wir unsere Plätze endlich gefunden und es uns gemütlich gemacht hatten, war die Hälfte des Films schon um. Pech,…
Schnell war der Film zu Ende. Zu schnell. Licht blitzte auf und die Leute begannen ihre Plätze zu verlassen.
Plötzlich hörte ich ein lautes Schmatzen hinter mir. Ich drehte mich um… und die Coke fiel zu Boden. Oh mein Gott! Bitte, lass das nicht wahr sein, bitte!
Mit aufgerissenem Mund und großen Augen starrte ich ein wildfremdes Mädchen und den Jungen, den ich mir fast auf die Brust tätowiert hätte, an.
Nein, nicht David. Nicht mein Loverboy, mein Traumprinz, mein Retter in Not.
Ich bekam keine Luft mehr, rang nach Atem, schluckte schwer. Mir saß ein dicker Kloß im Hals. Ich wusste nicht weiter, bewegte mich nicht. Da erwischte ich meinen Freund beim Knutschen mit einer anderen.
Anscheinend hatte mein Liebster meine Anwesenheit doch irgendwie gespürt, denn er wendete sich locker von seinem Knutschopfer ab und blickte genau in meine fassungslosen Augen.
Eine geschlagene Viertelminute verging.
Schließlich fand David seine Stimme wieder und fragte stotternd: „Kim? … Du hier? Wieso?“
Ich hatte noch gar nicht bemerkt, dass meine allerliebste Freundin Amanda während des Films eingenickt war und nun erwachte. Sie schwafelte irgendwas, doch ich schenkte ihr keinerlei Beachtung. Amanda stütze sich an der Sessellehne ab und als sie David entdeckte, nahm ihr Gesicht komische Züge an. Kurz darauf bemerkte sie das Girl, das in seinen starken Armen lag, und den Lippenstift in seinem Gesicht.
Anschließend machte meine Freundin das einzig Richtige. Sie schrie. „Was für ein Idiot. Du Macho!“, giftete sie David wütend an.
Dann brach es aus mir heraus - ich weinte wie noch nie zuvor. Ich spürte förmlich wie mein Make- up verronn, aber das war mir im Moment egal. Ich sank auf die Knie und hielt schluchzend die Hände vors Gesicht.
Ich bekam nur noch mit, wie Amanda mich hochzog, David, der stotternd alles erklären wollte, unsanft wegstieß und mich aus dem Kino führte.
Meine Freundin rief ein Taxi, setzte mich rein, gab meine Adresse an und schlug die Autotür zu.
Tja, sie wusste doch am besten, was ich jetzt bräuchte. Nämlich Ruhe, Zeit zum Nachdenken. Ich musste allein sein.
Zu Hause angekommen raunzte ich meine Mutter an, weil ich so schlecht gelaunt war und floh in mein Zimmer. Ich schleuderte mich aufs Bett und heulte mich am Kissen aus. Zehn Minuten später hatte ich mich wieder eingekriegt, schickte Amanda eine dankbare SMS und schlief ein. Für 4 ½ Stunden.
„Aufwachen, mein Engel. Schau mal, wer da ist.“
Widerstrebend öffnete ich die Augen und blinzelte meine Mum, Amanda und Jake, den Nachbarsjungen, der heimlich in mich verliebt war, an. Jake stand da, in einer Hand eine Schachtel Pralinen und in der anderen einen Strauß gelber Rosen. Es war spät abends. Was wollte denn Jake hier? Okay, er war mein bester Freund, der ganz sicher nach Amanda auf meiner Freundschaftsliste kam. Aber mit Schokolade und Blumen?
Ich setzte mich auf und zupfte an einer meiner dunkelbraunen Strähnen. Jake schien zu bemerken, wie unangenehm mir die Situation war und murmelte: „Ähm, nur um das mal klar zu stellen. Die Geschenke hier“, mein Kumpel hob den Strauß kurz hoch „sind von Amanda. Keine Ahnung, warum sie die mir vor der Haustür in die Hand gedrückt hat.“ Bei der Vorstellung davon musste ich leicht lächeln.
Er legte die Pralinen auf meinen Schreibtisch und fuhr sich verlegen durch die blonden Strubbelhaare.
Schon maulte Amanda auf: „Oh, du Spielverderber. Okay, egal. Wie geht’s dir, Kimi?“ Sie setzte sich zu mir ans Bett und schaute mir tief in die verquollenen Augen.„Geht…“ Es war mir irgendwie peinlich, mit meiner Mutter und meinen Freunden über so eine „Sache“ zu reden. „Dann geh ich mal.“ Danke, Mum.
„Ja, ich auch. Muss noch büffeln.“, meinte Amanda, stand auf und ging zur Tür. „Vergiss den Typen, Kim, der war’s echt nicht wert. Und: Ich bin immer für dich da. Vergiss das nicht.“ Sie warf mir noch rasch einen Luftkuss zu und verschwand. Allein blieben nur noch Jake und ich.
„Tja…“, sagte er und setzte sich auf die Bettkante. „Amanda hat mir alles erzählt. Tut mir Leid.“
„Ja…“ Mir tat der Hals immer noch weh. Und das Herz erst recht.
Jake nahm meine Hand und spielte mit meinen Fingern. Das machte er immer, wenn er nervös war. Irgendwie süß.
„Und du weißt hoffentlich, dass auch ich immer für dich da sein werde.“ Das ging noch ein paar Minuten lang weiter. Zu guter Letzt nahm er mich in den Arm und ich ließ es zu.
„Du weißt, wie ich zu dir stehe. Wenn du das nicht akzeptierst, okay… Wir schaffen das gemeinsam. Deine Freunde sind für dich da.“
„Ja, das sind sie.“, dachte ich mir, gab Jake noch einen Kuss auf die Wange und schlief seelenruhig in seinen Armen wieder ein.
by Marley (14)
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