Die frechen Mädchen bekommen eine neue Autorin: Martina Sahler stellt sich vor

Beim Schreiben Nun sind Sie in den erlauchten Kreis der FMFB-Autorinnen aufgenommen worden. Wie fühlt sich das an?
Ein tolles Gefühl! Und ich darf sogar Interviews geben ;-)
Ich bin echt stolz darauf, dass meine Romane in einer der beliebtesten Reihen für Mädchen erscheinen. In meinem Bekanntenkreis gibt es viele Nichten und Nachbarstöchter, die Fans der Reihe sind. Die freuen sich nun, dass sie sich auch meine Romane ins Bücherregal stellen können.

Sie haben ja bereits für die Reihe „Ich bin Ich!“ das Buch „Cyberschokolade“ geschrieben, das bei Ihren Leserinnen sehr gut ankam. Ist es denn anders für die Frechen Mädchen zu schreiben?
Ein bisschen, ja. Zwischen einer 13jährigen und einer fast 17jährigen können Welten liegen. Lisanne in Cyberschoko ist zwar auch eine Freche, aber sie hat viel konkretere Pläne für ihre Zukunft und weiß natürlich, wie es sich anfühlt, total verknallt zu sein. Meine Lilly aus der Villa Wildsee ist ja noch eine Theoretikerin. Es macht mir großen Spaß, mich in eine 13jährige hineinzuversetzen, die nicht nur auf rosa Wolken schwebt, sondern ganz vernünftige Überlegungen über das Verliebtsein anstellt und dabei gleichzeitig eine blühende Phantasie hat.

Ihr neues Buch heißt: „Franzosen küssen besser“. Ist das wirklich so?
Ich glaube, am allerbesten küsst der Junge, in den man gerade bis über beide Ohren verliebt ist. Ob er dir auf Französisch, Schwedisch, Englisch oder Deutsch sagt, dass du das süßeste Mädchen der Welt bist, ist völlig egal. Es kursiert allerdings das Gerücht, dass die Franzosen sich in Sachen Romantik besonders gut auskennen. Paris gilt als Stadt der Liebe, und in französischen Liebesliedern geht es immer besonders gefühlvoll zu. Davon haben Lilly und ihre Freundinnen natürlich auch schon gehört. Im ersten Band rund um die Villa Wildsee finden sie nach allerlei Turbulenzen heraus, ob was dran ist an diesem Spruch.

Nein, mal im Ernst: Wie kamen Sie auf die Geschichte, was macht ihre Figur, Lilly, aus?
Ich wollte meiner Lilly eine Umgebung geben, in der sie das ganze Jahr hindurch eine Menge erlebt. Als Tochter eines Jugendhotel-Betreibers sitzt sie natürlich mittendrin im Leben und hat nicht nur mit den Jungs und Mädchen aus ihrer direkten Umgebung zu tun, sondern mit Kids aus aller Welt. Das finde ich sehr spannend.
Lilly hat als Kleinkind die Diagnose "Hochbegabt" bekommen - und findet das schrecklich. Sie hält das lieber geheim, weil sie befürchtet, die anderen könnten sie als Streberin ablehnen - aber das ist natürlich grundlos. Auffallen möchte Lilly allerdings schon: aber wenn, dann lieber wegen ihrer einzigartigen Brillensammlung, die mindestens so schrill ist wie die von Anastacia.
Ihre Freundinnen Vanessa und Wiebke schätzen an ihr, dass man sich auf sie verlassen kann und dass es mit ihr immer etwas zu lachen gibt. Ansonsten hat sie ein ziemlich großes Selbstbewusstsein und schafft es mit burschikosem Charme und sprühendem Wortwitz, sich gegen großkotzige Typen, die sich im Hotel danebenbenehmen, durchzusetzen.

Beim Korrigieren Wird es weitere Geschichten mit Lilly geben oder möchten Sie sich nicht an eine bestimmte Figur binden?
Natürlich wird es weitere Geschichten um Lilly geben! Was in den nächsten Monaten in der Villa Wildsee abgeht, bietet Stoff für mindestens zehn dicke Wälzer. Lillys Freundin Wiebke erlebt ja gerade die erste große Liebe - da möchte ich den Leserinnen natürlich erzählen, wie es mit den beiden weitergeht. Und Vanessa wird möglicherweise mit ihrem hohen Verschleiß an Typen, die sie sich für einen Ferienflirt aussucht, ziemlich auf die Nase fallen. Lilly und Philipp sind ja jetzt schon ein Herz und eine Seele, aber ich bin mir nicht sicher, ob es bei den beiden für mehr reicht als für eine Freundschaft. Und dann sind da ja auch noch der Mini-Koch Nasi, der so dringend eine Freundin sucht, Valentin, den mal ein passendes Mädchen wachküssen sollte, und all die anderen interessanten Kids, die die schönste Zeit des Jahres in der Villa Wildsee verbringen …

Waren Sie ein freches Mädchen mit einem chaotischen Liebesleben?
Definitiv. Mit 13 habe ich einmal in der Woche in meinem Tagebuch eine Liste angelegt mit Namen von Jungen, die ich interessant fand - jeweils mit allen guten und schlechten Eigenschaften und kurzen Schilderungen, wie sie sich mir gegenüber verhalten haben. Das hat geholfen, den Überblick nicht zu verlieren. Oft war es bei mir so, dass Typen mit mir gehen wollten, die ich nicht ausstehen konnte, und die, in die ich verliebt war, haben sich für mich nicht interessiert. Und dann kam einer, der hieß Peter. Der hatte so eine richtige Schwimmerfigur und ein ganz niedliches Gesicht mit einer Haarlocke, die ihm immer in die Stirn fiel. Am besten hat mir aber sein trockener Humor gefallen. Wenn ich in seiner Nähe stand, habe ich oft Tränen gelacht. Auf einer Schulfete ist es passiert … mein erster Schmuseblues mit ihm und ein ganz langer Abschiedskuss. Ich könnte heute noch dahinschmelzen, wenn ich mich daran erinnere, wie umwerfend sich das angefühlt hat. Leider waren wir nur kurz zusammen, aber nach dieser Erfahrung war mein Liebesleben weniger chaotisch. Danach gab es immer nur einen Jungen, in den ich verknallt war, bis ich mit 17 dann meine erste "ernste" Beziehung mit allem Drum und Dran hatte. Der Typ war aber längst nicht so toll wie Peter.

Was raten Sie Mädchen mit Liebeskummer? Der Spruch, dass andere Mütter auch nette Söhne haben, tröstet in dem Moment ja leider herzlich wenig.
Klare Verhältnisse schaffen. Offene Worte finden. Nützt ja nix, sich auszumalen, was alles passieren könnte und worauf man wohl noch hoffen kann. Wenn dich ein Typ hinhält, solltest du stets dafür sorgen, dass er eine klare Ansage macht. Entweder geht es ihm wie dir - oder du hast keine Chance. Das muss man natürlich aushalten können, wenn einem der Junge, in den man verschossen ist, mitteilt, dass man nicht sein Typ ist. Aber nach meiner Erfahrung ist ein Ende mit Schrecken leichter zu ertragen als ein Schrecken ohne Ende. Dann heult man ein, zwei Tage und kann einmal tief Luft holen und sich umschauen, wer es denn sonst noch verdient hat, dass man ihn anflirtet ;-)

Sie haben ja auch eine eigene Homepage unter www.martinasahler.de Was gibt’s denn da?
Ach, die Homepage! Es macht total viel Spaß, sie zu gestalten, aber mir rennt die Zeit immer weg. Ich bin viele Tage im Jahr so sehr mit dem Schreiben beschäftigt - das ist schließlich mein Beruf -, dass mir oft keine Zeit bleibt, diese Webseite aktuell und spannend zu halten. Aber das ist ein Vorsatz für 2007: Ich will die Homepage ausbauen und ganz viele neue und ausführliche Informationen über all meine Bücher und die Figuren aus meinen Romanen einbauen.
Auf der Homepage gibt es auch den Link zu meinem neuen Blog, mein Web-Tagebuch, in dem ich über all die kleinen und größeren, witzigen und stressigen Erlebnisse aus meinem Leben als Jugendbuchautorin plaudere.

Martina Sahler Möchten Sie ihren Leserinnen noch etwas mitteilen?
Im Jahr 2007 freue ich mich darauf, ganz viele Lesungen in Schulen, Bibliotheken und Buchhandlungen zu halten und meine Leserinnen live kennen zu lernen. Natürlich werde ich hauptsächlich aus "Franzosen küssen besser!" vorlesen, aber ich werde auch "Cyberschokolade" im Gepäck haben - und ab Juli den nächsten Roman, den ich für "Ich bin Ich!" geschrieben habe. Der nächste Band für "Freche Mädchen - freche Bücher" rund um Lilly und die Villa Wildsee erscheint Anfang 2008.
Immer wieder fragen mich Mädchen nach Autogrammen - manche auch per E-Mail. Am schnellsten geht's, wenn man die Anfrage an den Thienemann-Verlag schickt und vor allem einen frankierten, an sich selbst adressieren Rückumschlag beilegt.